Hört das je wieder auf?

Auch das glücklichste Leben ist nicht ohne ein gewisses Maß an Dunkelheit denkbar; und das Wort „Glück“ würde seine Bedeutung verlieren, hätte es nicht seinen Widerpart in der Traurigkeit.

– Carl Gustav Jung

 

Hört das je wieder auf? Burnout. Depression. Trauer. Nennt es wie ihr wollt. Es gibt Phasen im Leben, da steckt man fest. Im Strudel. Ganz tief unten, wo alles schwarz und dunkel ist. Wo man keine Orientierung mehr hat. Wenn man keine Ahnung hat wo das nächste Licht herkommen soll. Und ob es je kommen wird. Innerlich fühlt man sich von Traurigkeit zerfressen. Man hat ein gefühltes Dauerabo mit Tempotaschentüchern und kann sich vor Tränen nicht mehr retten. Wenn man sich so richtig in Rage geweint hat, krümmt sich der ganze Körper. Klein zusammenrollen ist alles was noch geht während der Körper sich durch die Trauer schüttelt. Der Schmerz sitzt unendlich tief. Nicht nur im Herz, auch im Bauch. Und dann wird einem bewusst: dieser dunkle Strudel ist gar nicht um einen herum, er ist in einem drin. Er ist in unserem Inneren. Man ist eins mit ihm geworden und alles fühlt sich verdammt aussichtslos an. Hört das je wieder auf? Wie oft habe ich mich das gefragt! Werden diese Tränen je aufhören zu kullern? Werden sie sich gar wieder in ein Lächeln verwandeln können? Wird es sich irgendwann wieder leichter anfühlen? Und heller? Wird doch ein Licht kommen? Werde ich das alles schaffen? Wird der Schmerz weniger werden? Können diese Wunden heilen? Werde ich je wieder glücklich? Oder wird das jetzt für immer bleiben?

 

Hört das je wieder auf?

Ich kann Euch die Frage mit genau einer Antwort beantworten: JA! Ja, es hört wieder auf. Ja, es tut immer weniger weh. Ja, die Tränen werden weniger. Und ja, es gibt Licht und es gibt ein Leben danach. Ein glückliches, ein sonniges, ein erfülltes. Aber: es gibt keinen Schalter dafür. Man kann nicht einfach einen Schalter umklappen und dann ist alles wieder super. Von einer Sekunde auf die andere. Und rückblickend gesehen habe ich mir diesen Schalter so oft herbei gesehnt, aber es ist gut, dass es ihn nicht gibt. Denn es gibt nur einen Ausweg aus diesem Strudel: den eigenen Willen. Und ja, es ist verdammt schwer in solch dunklen Phasen diesen Willen überhaupt noch in sich zu finden. Und in den meisten Phasen geht das sicherlich nicht ohne Hilfe. Bei mir ging es nicht ohne. Wie auch. Man sitzt so fest in seinem eigenen Strudel und wird darin umhergewirbelt, dass man gar keinen Anker werfen kann, der greift und an dem man sich mal festhalten kann. Durch den mal für kurze Zeit Ruhe einkehrt und man gedankliche Impulse empfangen kann. Den Anker kann jedoch jemand für Dich werfen und dann kannst Du Dich daran festhalten. Dann hat man für eine gewisse Zeit den Blick frei für das, was einem gezeigt wird. Es gibt die Zeit sich Lösungen zu erarbeiten. Gedankenstrukturen in Frage zu stellen. In sich zu gehen und zu hören was passt. Offen dafür zu sein Dinge und Glaubenssätze abzulegen, die nicht mehr passen. Neue Impulse zuzulassen und abzuwägen ob es stimmig erscheint oder nicht. Und dann auf genau all diese Impulse zu reagieren. Zu handeln. Zu verändern. Und sobald man sich auf seinen Weg gemacht hat, dreht sich der Strudel immer langsamer. Er wird ruhiger. Er wirkt weniger aggressiv. Er nimmt auch immer mal wieder an Fahrt auf aber sobald man wieder am Anker festhält, wird es wieder ruhiger. Und weniger rau. Der Schmerz fängt an sich aufzulösen. Die Freude kehrt zurück. Das Tränenmeer hat mehr Ebbe- als Flutzeiten. Der Körper beruhigt sich und wird nach und nach wieder geschmeidig. Genau dann, wenn man beginnt sich zu pflegen, inne zu halten und zu erkennen, dass man mit den richtigen Impulsen alles verändern kann. Und sich retten kann. Und genau dann, hört der Schmerz, die Trauer, der Burnout oder die Depression auch wieder auf. Nicht von heute auf morgen. Aber mit Geduld, Liebe und vor allem Übung!

 

 

3 thoughts on “Hört das je wieder auf?

  1. Wahnsinn, manchmal denke ich wenn ich etwas von Dir lese: „Ja, in Ansätzen kenne ich diese Gefühle auch. Aber die sind ja dann auch nach ein bisschen ins Kopfkissen heulen vorbei und gut ist – ein paar Stunden später.“ Danke, dass Du meinen Blick dafür öffnest, dass sich so eine Verwzeiflung auch ganz anders anfühlen kann. Danke, dass Du mir zeigst, wie es ist, im Auge des Orkans zu sein – und nicht nur mal die Zehenspitze reinzuhalten. Dein Blog ist so wichtig für ein besseres Verstehen von Menschen untereinander in diesen vollen und hektischen Zeiten.

    • Danke für Deine liebevollen Worte Svenja! In Ansätzen kennen wir das alle – ich heute auch wieder. Und ich möchte einfach nur jedem Mut machen, der sich wie ich damals auch, diese Frage stellt. Denn mir konnte sie damals leider niemand beantworten, weil es keinen Blog dieser Art gab. Und das möchte ich heute zurück geben.

      Alles Liebe für Dich
      sue

  2. Liebe Sue,
    es berührt mich immer wieder zu lesen und zu hören wie es Dir damals ergangen ist und wie wenig Trost Du finden konntest in den eigentlich doch heutzutage zahlreich zur Verfügung stehenden Medien. Du schaffst hier eine Plattform für all diese Menschen, die einen Halt suchen. Du gibst ihnen Antworten auf ihre (nicht öffentlich gestellten) Fragen. Du sprichst klar aus, dass dieser Zustand, in dem sich ihr Gefühlsleben befindet, nicht von allein ändert – aber Du gibst auch Mut, dass es besser und sogar GUT werden kann, wenn man sich entsprechende Hilfe holt. Du machst das so einfühlsam und wundervoll, dafür möchte ich Dich fest drücken. Auch dafür, dass Du selbst eine so traurige Zeit durchgemacht hast und diese niemals vergisst. Doch Du bist auf der Hut, dorthin niemals wieder zurückzukehren. Schön, dass es Dich gibt!!
    Alles Liebe, Deine Stephie

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