Transformationstherapie: was dahinter steckt | Teil 2

Mehr TUN, dann mehr HABEN, um dann mehr zu SEIN ist eine alte Formel, die nicht funktioniert. Das bewusste SEIN, das LIEBE-SEIN ist das erste, worauf es ankommt, alles andere folgt hieraus.

– Robert Betz

 

 Im ersten Teil des Interviews mit der Transformations-Therapeutin (kurz TT genannt) Kristina Kutz habt ihr bereits erfahren worum es bei dieser Art der Therapie überhaupt geht und was dahinter steckt.

 Kristina arbeitet in ihrer Praxis in Haan bei Düsseldorf nach dem vom Münchner Psychologen Robert Betz gegründeten Modell der Transformations-Therapie. Sie gehört bereits zum festen Stab der Therapeuten, die Robert immer wieder für seine Transformationswochen anfragt. Auch ich war im letzten Jahr bei dieser Woche in Sonthofen dabei und hatte Kristina an meiner Seite.

 

 

 

 

 

Heute geht es im Interview darum wie auch die Transformations-Therapie helfen kann, wenn man das Gefühl hat auf einen Burnout zuzusteuern oder wenn man einfach merkt, dass man immer wieder an die gleichen Grenzen stößt. Den meisten von Euch ist dieses Gefühl nicht fremd wenn man sich einfach überfordert fühlt.

 

 

Kristina, was kann ich tun wenn ich merke, dass ich auf einen Burnout zusteuere? Kann mir diese Form der Therapie auch helfen?

 

Ja, wenn du bereit bist, dir ganz genau die unterschiedlichen Facetten deiner Gefühle und Körperreaktionen anzusehen. Auch wenn ich es so manches Mal schon selbst bedauert habe – fühlen können wir nur selbst und leider ist es auch bei der Transformations-Therapie nicht so, dass wir einfach einen neuen „Chip“ eingesetzt bekommen. Wenn Du Anfänge eines Burnouts in dir bemerkst, dann setz Dich doch einmal in einem stillen Moment hin, schließe deine Augen und nimm wahr, was sich gerade in dir zeigt: Was für Gefühle kommen doch? Angst oder sogar Panik? Wo spürst du den Druck oder die Schwere in Deinem Körper? Ich liebe auch hier wieder den Wink der Sprache – wie fühlt es sich an, wenn nichts mehr in dir lodert, du völlig ausgebrannt bist und dein inneres Feuer erloschen ist? Atme, fühle und lass es für diesen einen Moment zu. Das ist schon der erste Schritt auf dem Weg der Verwandlung.



Wie lange dauert es in der Regel, die alten Gedankenmuster, die man sich seit der Kindheit selbst antrainiert hat, wieder zu lösen? Und was kann ich dazu tun?

 

Wie schon erwähnt ist es ganz unterschiedlich, wie viele Sitzungen nötig sind, um ein Thema ganz zu verarbeiten. Für mich ist es wichtig, „überflüssig“ im Leben meiner Klienten zu werden. Ich bin gerne für meine Klienten da, doch es ist entscheidend, dass sie das, was sie in der Sitzung für sich neu entschieden haben, auch wirklich allein umsetzen. Und glaube mir – das Leben wird uns neue Situationen liefern, in denen wir uns erproben dürfen. In diesem Moment ist es wichtig, einmal kurz innezuhalten und zu erkennen, dass wir eine neue Entscheidung getroffen haben und dass es nun an uns liegt, dementsprechend verändert darauf zu reagieren.

 

Jedes Mal, wenn ich denke, ich wäre mit einem meiner Themen durch, scheint es mir, als ob das Universum sagen würde: „Na, dann zeig doch mal, was du drauf hast, Kristina!“ Manchmal geschieht das so prompt, dass es schon fast komisch ist. Doch der Stolz, wenn ich erkenne, dass ich mich wieder ein Stückchen von meinen alten Fesseln befreit habe, ist unermesslich.

 

 

Ich merke selbst, dass mir mittlerweile bekannte Themen oder Knackpunkte immer wieder hochkommen. Aber eben anders. Durch meine Arbeit an diesen Themen, fühlen die sich jedes Mal weniger intensiv an. Ist das das Zeichen, das wir einfach wahrnehmen dürfen um zu sehen, dass es Fortschritt gibt?

 

Ja, das stellt den Fortschritt für mich dar. Wenn Du auf einmal merkst, dass Du mit Themen, die das Leben an Dich heran trägt, anders oder sozusagen „souveräner“ umgehst und nicht mehr direkt „aus der Packung fällst“. Desweiteren kann ich nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, sich zwischendurch für diese kleinen Erfolge zu loben – inne zu halten und sich bewusst zu machen: „Ja, da kann ich heute anders mit umgehen!“

 

 

Oft kommen wir in Situationen, die uns alles andere als gelassen lassen. Entweder es nimmt einem einer die Vorfahrt beim Autofahren, das Kind quengelt vor den Kinderüberraschungseiern an der Supermarktkasse oder der Partner hat mal wieder die Klobrille nicht runtergeklappt. Wie geht man denn mit solchen kleinen Alltagsstörern um?

 

Zu allererst: Atmen, so richtig vom Kopf bis in die Zehenspitzen, und den Boden unter den Füßen spüren. Dies verhindert, dass wir allzuschnell „in die Luft gehen“. Außerdem spüren wir dann wieder wortwörtlich „wo oder wofür wir stehen“, was ich zum Beispiel ganz entscheidend im konsequenten Umgang mit Kindern finde, denn wenn ich weiß, wofür ich stehe, dann kann ich besser bei meinen Entscheidungen bleiben. Wenn mein Partner oder jemand auf der Autobahn mich in Rage bringt, dann darf ich mir das Gefühl, dass in diesem Moment hochkommt, ansehen. Was spüre ich in diesem Moment? Wut? Ohnmacht? Wenn ich dieses Gefühl bejahend annehmen kann und nicht in den Widerstand gehe, dann kann in mir Heilung geschehen. So weit, so gut. Theoretisch weiß auch ich das, doch praktisch platzt mir manchmal immer noch der Kragen. Was aber wirklich immer hilft, um mein Herz wieder für den anderen zu öffnen, ist, ihn mir als kleines Kind vorzustellen. Nicht, um ihn „klein zu machen“, sondern weil in uns allen auch noch das kleine, zum Teil verängstigte Kind steckt, das einfach nur lieb gehabt werden will. Dieser Blickwinkel hilft mir, nicht alles so persönlich zu nehmen und seine Reaktion neu einzusortieren.

 

 

Vielen Dank Kristina. Wenn Du gerne mehr über die Transformationtherapie nach Robert Betz wissen möchtest und einen Therapeuten in Deiner Nähe suchst, dann schau Dir doch einmal die Therapeutenliste an. Und natürlich steht Dir auch Kristina zur Verfügung – ob persönlich in Haan oder am Telefon. Schau doch einfach auf ihrer Webseite oder ihrer Facebookseite vorbei.

 

Der dritte und letzte Teil der Interviewreihe erscheint am 10. Juni. Dann verrät Kristina wie sie selbst zu dem Konzept von Robert Betz kam, wie ihr aktiv werden könnt, wenn Euch das Thema interessiert und wie Kristina selbst ihren Tag beginnt.

 

P.S.: Hier findet ihr den ersten Teil des Interviews.

 

 

 

 

 

 

 

 

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