Das Morgenritual | Der frühe Vogel…

Jeder Tag ist ein neuer Anfang.

– T.S. Eliot

Die schönste und zugleich beruhigenste Wahrheit ist für mich die, dass jeden Tag alles von Neuem anfängt. Egal wie schlecht, stressig, launig, unerwartet, enttäuschend, ärgerlich oder traurig der vorangegangene Tag war, die Nacht spült die Launen weg und wir können mit dem Erwachen mit einem weißen Blatt von Neuem starten. Jeden Tag haben wir die Möglichkeit diesen neu zu gestalten. Das gute vom Vortag zu integrieren oder zu wiederholen und alles, was nicht weiter erwünschenswert ist, wegzulassen.
Und genau das tue ich mit meinem täglichen Morgenritual. Es ist meine Wunderwaffe für einen gelassenen Start in den neuen Tag. Mit dieser Waffe starte ich vorallem ohne jegliche Hetze in den Tag. Aber das war nicht immer so….
Der Ausgangspunkt
Früher hat der Wecker geklingelt, ich habe gefühlte hundert Mal auf Snooze gedrückt bis ich aus dem Augenwinkel mit Erschrecken die Zahlen auf der Uhr erkennen konnte: Ich hatte bereits über eine Stunde auf Snooze gedrückt. Mein erster Gedanke: Sch*****! Mein erstes Gefühl: Ärger! Ich war verärgert, dass ich mal wieder liegen geblieben bin anstatt aufzustehen und in Ruhe in den Tag zu starten. Wie von der Tarantel gestochen bin ich aufgesprungen und ins Bad gerast um mich fertig zu machen. Natürlich in Hektik. Zwischendurch bin ich dann an den Kleiderschrank gerannt um festzustellen, dass ich nichts zum Anziehen habe (Frauenkrankheit! Natürlich hab ich was im Schrank, aber nichts hat mich angesprochen). Also habe ich gefühlsmäßig 12 Outfits anprobiert, frustriert ausgezogen, weil es mir nicht gefallen hat, die „Doof-Outfits“ aufs Bett geschmissen und das Nächste anprobiert. Und das natürlich unter Zeitdruck! Wie mein Bett aussah als ich aus dem Haus bin, könnt ihr Euch vorstellen! Endlich angezogen bin ich dann völlig gestresst aus dem Haus gestürzt und bin hektisch (und meist mit mehr Geschwindigkeit als erlaubt) ins Büro gerast. Laune: mies! Das war früher!!
Eva-Maria Roßmann / pixelio.de
Die Veränderung
Heute sieht das alles ganz anders aus und fühlt sich millionenfach besser an (okay, ich neige zur Übertreibung, aber es dient zur besseren Veranschaulichung). Ich tue in der ersten Stunde des Tages eine Reihe von Dingen, die mir gut tun, mir Freude bereiten und die mich ohne Hektik in den Tag starten lassen. Ihr wisst schon: der frühe Vogel…. .
Es hat mich einige Wochen an Übung gekostet, aber ich stehe jetzt eine Stunde früher auf (und gehe abends früher ins Bett) und gönne mir maximal eine Viertelstunde Snoozezeit (sind wir ehrlich: manchmal braucht man das einfach). Die benötige ich allerdings nur selten, da ich oft kurz vor dem Weckerklingeln von selbst aufwache. Der Wecker klingelt also, ich stelle ihn aus und öffne die Augen. Tiefes ein- und ausatmen, etwas recken und strecken gefolgt vom aus den Federn springen (okay, ich springe natürlich nicht raus, aber ich stehe freudig auf).
Mein erster Weg führt in die Küche, wo ich meinen Wasserkocher anstelle und mir entweder eine Tasse Tee oder eine Tasse Zitronenwasser zubereite. Gefolgt von Yoga oder Meditation (oder beidem, je nach Gefühl) trinke ich meine leicht abgekühlte Tasse Tee und schaue in die Tageszeitung. Dinge, die mir durch den Kopf gehen und heute erledigt werden müssen (oder in den nächsten Tagen) trage ich in meiner ToDo-Listen-App ein. Dann ist der Kopf wieder frei.
Innerlich geruht, folgt meine Badroutine und ich ziehe mein bereits-am-Vorabend-ausgewähltes-Outfit an. Geschniegelt und gebügelt setze ich mich dann hin, frühstücke in Ruhe und packe mir meine Snacks und mein Essen für den Tag ein. Dann geht’s mit dem Auto in vorgeschriebener Geschwindigkeit (oder minimal drüber) bestens gelaunt zur Arbeit! An Arbeitstagen läuft bei mir jeder Tag nahezu gleich ab und ich genieße dieses neue Ritual, das perfekt zu mir passt.
Mein Ritual hilft mir gelassen und gut gelaunt dem Tag entgegen zu sehen und ihn mit offenen Armen zu begrüßen. Egal mit welcher Stimmung ich auch aufstehe oder egal wie die Nacht verlief (schlechte Träume, unruhiges hin- und herwälzen), setzt dies jedes Mal meine Stimmung zurück. Und dieses Gefühl von Ausgeglichenheit ist einfach unbeschreiblich!
Pixelio | Thomas Weiss
Wie schafft man sein Morgenritual?
Es ist nicht schwierig sich ein eigenes Morgenritual zusammenzustellen, solange man die Veränderung auch wirklich möchte. Denn auch hier bewährt sich ein altes Sprichwort: Wo ein Wille ist, … (ihr wisst schon).  Zunächst einmal hilft es sich einmal zu überlegen was einem an der aktuellen Situation missfällt und sich mögliche Lösungsansätze zu überlegen. Hier ein paar Beispiele:
Problem: Ich bin beim Weckerklingeln immer noch so müde.
Lösung: Früher ins Bett gehen. Den Wecker so weit vom Bett wegstellen, dass man aufstehen muss um ihn auszuschalten (und wenn man schon auf den Beinen ist, dann kann man auch wach bleiben). Beim ersten Weckerklingeln gedanklich sagen „ich bin wach, ich bin wach, ich bin wach.“
Problem: Ich habe morgens keine Zeit mir mein Frühstück zu machen.
Lösung: Es gibt viele Möglichkeiten sich das Frühstück bereits am Vorabend zuzubereiten, sodass man es morgens nur noch verzehren muss. Darunter fällt unter anderem ein Bircher Müsli, Übernachtmüsli oder ein Smoothie. Man kann auch schon die Müslischüssel mit den trockenen Frühstücksflocken füllen sodass man morgens nur noch die Milch darüber gießen muss. Warme Getränke kann man sich ebenfalls am Vorabend vorbereiten und in eine Thermoskanne füllen.
Problem: Für Sport habe ich morgens keine Zeit.
Lösung: Sport am Morgen ist sehr förderlich, da es den Kreislauf auf Trab bringt. Wer morgens nichts Schweißtreibendes machen möchte (wie Laufen, Aerobic, HIIT, o.ä.) kann auch auf etwas ruhigeres umsteigen wie z.B. Yoga, Pilates, Tai Chi, etc. Einfach mal ausprobieren was einem am meisten Freude bereitet. Jeder Sport lässt sich auch in nur 15 Minuten ausüben. Genügend Anregungen dafür gibt es auf DVDs oder bei YouTube.
Problem: Ich habe eine längere Anfahrt zur Arbeit und kann nicht noch früher aufstehen.
Lösung: Wie wäre es mit einem Hörbuch? Im Auto kann man einen schönen Roman oder einen motivierenden Ratgeber anhören. Wer mit dem Zug fährt, kann eine 15-minütige Meditation anhören.
Gerd Altmann / pixelio.de
Was eignet sich als Morgenritual?
Auch hier gilt: es muss zu einem selbst passen. Wer die Badewanne nicht mag, braucht wohl kaum ein Schaumbad am frühen Morgen ausprobieren. In meinen Augen sollten diese Punkte auf jeden Fall dazugehören:
  • ausreichend Flüssigkeit zuführen
  • ausgewogen frühstücken
  • Körper & Seele etwas Gutes tun
Hier findet ihr eine Liste an Anregungen für das Basteln Eures eigenen Morgenrituals:
  • eine Tasse Heißgetränk (z.B. Tee, Zitronenwasser, warmes Wasser, Kakao)
  • lesen (Buch, Tageszeitung, RSS Feeds, Blogs, etc.)
  • einen Spaziergang machen
  • Sport machen (Joggen, Yoga, Pilates, Crunches, Lunges, Squats, etc.)
  • Meditation
  • Tagebuch schreiben
  • den Tag planen (was muss erledigt werden, Einkaufsliste schreiben, etc.)
  • duschen
  • Trockenbürstenmassage
  • ausgiebiges eincremen mit Körperlotion
  • singen
  • lachen
  • aus dem Fenster schauen
  • barfuß übers Gras laufen
  • (entspannende) Musik hören
  • frühstücken
  • positive Affirmationen
  • Wünsche für den Tag formulieren
Ganz wichtig: Gebt Euch 21 oder 30 Tage Zeit um die gewünschte Änderung zu integrieren und es zu einer Gewohnheit zu machen. Nach diesem Zeitraum zeigt sich ob sich die neuen Bestandteile bewährt haben oder ob ihr nochmal etwas verändern solltet.
Wenn ihr Euer Morgenritual gefunden habt, dann bleibt dabei und genießt das Gefühl, das es Euch gibt. Aber denkt daran: das Leben verändert sich, ihr verändert Euch wie auch Eure Bedürfnisse. Es wird Zeiten geben, da wird ein Bestandteil des Morgenrituals gestrichen und mit einem Neuen ersetzt. Das ist auch gut so. Wichtig ist nur, dass ihr Euren Weg findet um ausgeglichen in den neuen Tag zu starten! Wie auch immer das aussehen mag!

5 thoughts on “Das Morgenritual | Der frühe Vogel…

  1. Ahhhh, ich liebe mein Morgenritual! Ich mache das seit ca. 1,5 Jahren – und alles hat mit einem großen Glas Wasser nach dem Aufstehen angefangen. Dann kamen die 5 morgendlichen Sonnengrüße dazu, das Trockenbürsten etc.

    Wenn ich morgens total müde bin beim Weckerklingeln, dann denke ich immer: „Das wird bald besser, das wird bald besser, das wird bald besser, …“ 😉

    PS: wenn ich deinem Posts lese, ist es, als würde ich meine eigene Worte lesen. 🙂

  2. Hallo Sue,

    was für ein schöner Artikel! Wow! Ich habe leider noch kein Morgenritual für mich gefunden. Ich kann gar nicht mal sagen, woran es liegt. Manchmal ist es laufen, manchmal sind es Meditationen, aber irgendwie hätte ich dort einfach gern mehr Routine und etwas worauf ich mich – neben dem Frühstück – freue.
    Dein Artikel hat mich inspiriert, mir mal wieder Gedanken dazu zu machen. Danke dafür! 🙂

    Liebe Grüße Kristin

  3. Toller Artikel, ich arbeite auch gerade an einem neuen (und besseren) Morgenritual und dein Artikel ist sehr inspirierend. 🙂

    Zur Zeit fahre ich morgens immer Rad auf meinem Ergometer im Schlafzimmer (wobei ich gerade ein kleines Tief habe und das im Augenblick nicht mehr so gut läuft, aber die letzten Monate hat es gut geklappt und ich hoffe, ich komme bald wieder richtig rein). Sport am Morgen + ausreichend Trinken finde ich beides auch am Wichtigsten. Frühstücken kann ich auch später im Büro, wenn ich mir ein selbstgemachtes Früchte-Joghurt-Müsli mitnehme. 🙂

    • Hallo Tia,
      lieben Dank für das Kompliment! Sport am Morgen ist super und ich finde es klasse, dass Du das regelmäßig machst, auch wenn es gerade nicht so gut läuft. Solche Phasen gibt es einfach. Aber das ändert sich meist auch schnell wieder! Wichtig ist einfach, dass man SEIN Ding findet, das einem gut tut. Wenn es für Dich okay ist erst im Büro zu frühstücken, dann ist das prima! Ein anderer verspürt vielleicht Hetze dabei am Arbeitsplatz zu frühstücken (kommt ja auch ganz darauf an wo man arbeitet).
      Wünsche Dir viel Spaß beim Wiederentdecken Deines Morgenrituals!

      Alles Liebe
      sue

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