Der innere Perfektionist

Mein Wort des Jahres ist Intuition. Meine Blockade ist der innere Perfektionist. Eigentlich kann ich die zwei gut voneinander trennen. Und dennoch merke ich, dass mein innerer Perfektionist gerade ganz schön laut ist. Er ist mir ehrlich gesagt viel zu laut. Viel zu aufdringlich und fordernd. It’s a struggle. Ich kämpfe mit ihm. Warum?

 

Weil es nicht so läuft wie ich es gerne hätte. Oder besser gesagt: wie mein innerer Perfektionist den gerne hätte. Wie Du weißt, schreibe ich hier auf HappyIch aus reiner Freude. Mein Blog füllt nicht mein Konto und meine Arbeitszeit ist nicht mit meinem Blog gefüllt. Ich habe einen Job 1.0 und mein Blog läuft so „nebenbei“. Und genau das ist es, was mich immer wieder stört. Denn ich würde gerne so viel mehr machen, schreiben, designen, planen, veröffentlichen und mich austauschen. Doch die Zeit, die mir dafür zur Verfügung steht, ist knapp bemessen. Und so ärgere ich mich immer wieder darüber, dass ich es nicht schaffe regelmäßig dienstags und donnerstags zu bloggen um Dir Lesematerial zu schenken. Um Dich zu inspirieren. Dich abzuholen und mitzutragen. Denn mein Anspruch (oder der meines inneren Perfektionisten) ist es, Dir mit jedem Artikel einen Mehrwert zu bieten und nicht einfach nur blablabla zu schreiben. Ich möchte, dass Du reinklickst und für Dich etwas mitnimmst. Schließlich ist auch Deine Zeit kostbar. Ist das nun die richtige oder falsche Einstellung? Ich gehe da immer von mir aus, denn ich lese auch nur Blogposts, von denen ich etwas mitnehmen kann. Von denen ich lerne oder die mich inspirieren.

 

An meinem Zeitmanagement wird sich erst einmal nichts ändern, denn ich liebe meinen Job 1.0 und möchte hier gar nicht kürzer treten. Bei vielen Bloggern ist das anders. Sie steigen aus dem klassischen Berufsleben aus oder reduzieren ihre Arbeitszeit um mit zweitem Standbein Blogger zu sein. Cool. Aber aktuell nicht mein Ziel. Kommt vielleicht noch, vielleicht aber auch nicht. Und es sei Denn Du erzählst mir aus Lesersicht eine ganz andere Geschichte, wird sich an meinem Anspruch auch nichts ändern. Sicherlich kann ich noch lernen weiter zu optimieren und möglicherweise auch mit schlechten Lichtverhältnissen tolle Fotos hinbekommen. Vielleicht auch schneller und mit weniger Aufwand. Möglicherweise mit einem richtigen Redaktionsplan und einem Fotoshooting, das ich einmal im Monat für alle Blogposts mache. Und mich damit weniger flexibel mache. Will ich das?

 

Wenn ich Dich in mein Dashboard des Blogs blicken lassen würde, wärst Du bestimmt überrascht wie viele Entwürfe für Artikel dort schlummern. Denn Ideen habe ich genügend und auch schon einige fertige Blogposts, denen nur noch das ein oder andere Bild fehlt. Und genau da ist bei mir auch schon der Hund begraben: ich habe den Anspruch zu jedem Blogpost ein Bild oder eine Grafik zu haben, doch mir fehlt oft die Zeit und dann auch (gerade im Winter) die gute Lichtquelle um ein Foto zu machen. Und so wartet ein Post wochenlang darauf veröffentlicht zu werden. Denn mein innerer Perfektionist sagt mir immer wieder, dass es gut sein soll. Dass es gut aussehen soll. Denn das hast DU verdient, wenn Du mir schon Deine Zeit schenkst.

 

Schon oft schlummerte die Idee über meinen inneren Perfektionisten in meinem Kopf, aber schreiben wollte ich darüber dann doch nicht. Warum? Weil Du davon keinen Mehrwert hast. Weil ich Dir eben nicht sagen kann, wie Du ihn ein für alle mal los wirst. Ich kann Dir keine Anleitung an die Hand geben und das macht es für mich zu keinem guten Artikel. Und genau deshalb schreibe und veröffentliche ich diesen Artikel trotzdem. Ich will meinem inneren Perfektionisten einen Tritt verpassen. Und einfach doch einen Artikel veröffentlichen. Heute eben ohne Mehrwert, dafür mit Blick in mein Innerstes. Ich bin eben nicht perfekt. Und das ist auch gut so. So sehr ich es möchte, ist es dennoch unrealistisch IMMER mehrmals die Woche zu posten plus Newsletter zu versenden und, und, und. Zumindest nicht, wenn es mich etwas anderes kostet. Und gerade jetzt in der Schwangerschaft reduziere ich Stress und Druck wo auch immer es geht, denn die Erbse zeigt mir ganz klar auf, wenn ich zu viel mache. Dann drückt der Bauch und es hilft nur noch hinlegen und entspannen. Und eben nicht fotografieren, schreiben, Korrektur lesen, Bild bearbeiten, und alles weitere, was dahinter steckt bis ein guter Blogpost online ist.

 

Dieser Blogpost befriedigt meinen inneren Perfektionisten also null. Aber vielleicht braucht er gerade das, dass ich einfach mache. Ohne auf ihn zu achten. Ihm so einen Tritt verpasse. Und das ist möglicherweise auch schon mein Tipp für Dich: manchmal einfach machen!

 

4 thoughts on “Der innere Perfektionist

  1. Oh, das kommt mir bekannt vor … nur bei mir ist es kein innerer Perfektionist, sondern mein innerer Kritiker. Sie heißt Lizzy und ist eine Eidechse. 😉 Ich hab auch mal einen Blogpost über sie geschrieben … schon ne ganze Weile her, aber vielleicht findest Du es ja lustig:
    http://ursulamarkgraf.com/de/sunday-whispers-meet-your-worst-critic

    (Ein Knopflädchen hab ich nicht mehr, da ich inzwischen als mixed-media Künstlerin arbeite. Aber das Prinzip kann man ja auch anders umsetzen.)

    Aber Dein Tipp – einfach machen – find ich goldrichtig. Denn letztendlich ist es so – den inneren Kritiker oder Perfektionisten oder wie auch immer wir ihn nennen, wir werden ihn nicht los! Wir können nur lernen mit ihm anders umzugehen. 🙂 In meinem Blogpost empfehle ich dafür auch das Buch von Martha Beck „Steering by starlight“ … weiß nicht, ob Du das zufällig kennst. Ein SUPER Buch! Nur falls Du Dich wiedermal über Deinen inneren Perfektionisten ärgerst … 🙂

    Ganz liebe Grüße

    Ursula

  2. Liebe Sue,

    danke für diesen wunderbaren Beitrag! Für MICH ist er wertvoll – absolut! Ich darf einmal mehr feststellen, dass es nicht nur mir so geht, denn: Ein Blogbeitrag, der sich locker-flockig liest, ist ein großer Aufwand (den der Leser so ja gar nicht mitbekommen soll) und kostet viel Zeit, Engagement und Achtsamkeit. Wie beruhigend und befreiend, dass ich nicht die Einzige mit diesem „Dilemma“ bin – danke dafür, dass du deine diesbezüglichen Gedanken offenbarst!

    Übrigens: „Just do it“ ist auch eines meiner Credos … aber manchmal muss ich’s mir ganz ganz oft vorsagen, bis ich’s auch tatsächlich schaffe … 😉

    Ganz liebe Grüße,
    Susanne

  3. Liebe Sue,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Ganz ehrlich? Ich verbringe fast jede meiner Mittagspausen damit auf deinem Blog zu stöbern. Eigentlich finde ich immer irgendwie etwas Neues oder lese liebgewonnene Posts erneut. Diesen Perfektionistenwicht kenne ich selbst nur zu gut. Gerne würde ich selbst auch bloggen, aber meine Zeit lässt es aktuell (durch den Hausbau) einfach nicht zu. Deshalb wird auch mein Perfektionist oft (auch zwangsweise) weggedrängelt. Dennoch finde ich es immer schön zu hören/lesen, dass sich auch andere mit diesem Wicht herumplagen und ich nicht als Einzige wichtige Dinge oft verschieben muss. Aus diesem Grunde konnte ich aus deinem Post sogar sehr viel mitnehmen. Danke dafür!!!

    Liebe Grüße
    Anna

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